Branchenspiegel Handel: Differenziertes Bild in anspruchsvollen Zeiten

Stabile Nachfrage in vielen Bereichen – gleichzeitig zunehmender Druck durch Kosten, Wettbewerb und geopolitische Unsicherheiten

Die aktuelle Lage in den Handelsbranchen zeigt ein differenziertes Bild. In vielen Bereichen bleibt die Nachfrage stabil, teils sogar gut. Gleichzeitig stehen zahlreiche Unternehmen unter wachsendem Druck: Margen sinken, Energie- und Transportkosten bleiben hoch, Lieferketten sind störanfällig, und geopolitische Unsicherheiten erschweren die Planung. In einzelnen Segmenten rückt zudem die Verfügbarkeit von Waren wieder stärker in den Fokus.

Besonders anspruchsvoll ist die Situation in industrienahen Handelsbranchen. Die MEM-Industrie leidet unter den Auswirkungen von US-Zöllen, hohen Energiepreisen und der schwachen Konjunktur in Deutschland. Diese Entwicklung trifft auch den technischen Handel und belastet insbesondere kleinere Betriebe stark.

In bau- und rohstoffnahen Handelsbranchen präsentiert sich die Nachfrage mehrheitlich solide. Der Baumaterialhandel berichtet von einer guten Nachfrage, während die Margen gleichzeitig unter Druck stehen. Steigende Energiepreise verteuern die Transporte, und in den Grenzregionen nimmt die Konkurrenz durch deutsche Anbieter zu. Ähnliche Rückmeldungen kommen aus dem Bereich der Holzwerkstoffe, wo Holz als Baustoff weiterhin im Trend liegt.

Auch in weiteren Branchen zeigt sich ein gemischtes Bild. Elektrogrosshändler verzeichneten 2025 einen leichten Umsatzrückgang. Gleichzeitig wird kritisiert, dass Bauprojekte zunehmend durch Einsprachen und regulatorische Vorgaben verzögert werden. In der Baumaschinenbranche blieb das Geschäft 2025 auf gutem Niveau stabil.

Bei den Stahlhändlern war 2025 umsatzmässig wieder etwas besser, und für 2026 wird mit einer steigenden Nachfrage gerechnet. Gleichzeitig stehen die Margen stark unter Druck, und protektionistische Tendenzen in der EU sorgen für zusätzliche Unsicherheit. Im Edelstahlbereich verlief 2025 hingegen schwach, unter anderem wegen rückläufiger Investitionen der Pharmaindustrie in der Schweiz.

Zusätzliche Unsicherheit bringt die geopolitische Lage. Der Iran-Krieg wird in verschiedenen Branchen mit steigenden Preisen bei Energie, Transporten und Vorprodukten in Verbindung gebracht. Auch mögliche Störungen internationaler Transportwege und Lieferketten werden als Risiko wahrgenommen.

Zunehmend spürbar ist zudem der Wettbewerbsdruck durch ausländische Anbieter. In mehreren Handelsbranchen gelangen günstige Produkte aus China in grossen Mengen auf den Markt und setzen die Preise unter Druck. Dies betrifft unter anderem Arbeitsbühnen, Baumaschinen, Motorräder und den Textilbereich. Im Textilhandel wird zusätzlich auf den wachsenden Einfluss internationaler Onlineplattformen wie Temu und Shein hingewiesen, die Marktanteile verschieben und den Wettbewerbsdruck weiter erhöhen.

Auch in Konsum- und Nischenmärkten zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Der Direktverkauf berichtet von guten Zahlen, während im Ledergrosshandel die Nachfrage rückläufig ist und die administrativen Anforderungen zunehmen. Im Weinhandel sinkt der Konsum seit längerem, und regulatorische Vorschläge werden als problematisch beurteilt. Demgegenüber ist der Eierkonsum deutlich gestiegen, was auch zu höheren Preisen geführt hat. In der Milchwirtschaft ist die Lage hingegen angespannt, insbesondere aufgrund von Überproduktionen.

Im IT-Bereich wird von stark steigenden Preisen für Speichermedien berichtet, ausgelöst durch den Ausbau von Rechenzentren im Zusammenhang mit dem KI-Boom. In der Imaging-Branche entwickeln sich insbesondere Kompaktkameras positiv. Der Spielwarenhandel verzeichnete ein Wachstum von rund 5 Prozent, während Medizinalprodukte erneut ihre Krisenresistenz unter Beweis stellen.

Insgesamt zeigt sich: Viele Handelsbranchen stehen trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen weiterhin auf solidem Niveau. Gleichzeitig nehmen Kostenbelastung, Margendruck, regulatorische Anforderungen und internationaler Wettbewerb zu. Die Entwicklungen verlaufen je nach Branche unterschiedlich, doch die Herausforderungen bleiben breit abgestützt.

Das sagen unsere Mitglieder

«Weltwirtschaftliche Krisen geben sich die Hand. Die Herausforderungen des Handels werden komplexer. Ein starker Verband mit klarer Strategie und Konsequenz gibt Orientierung und unterstützt bei anstehenden Aufgaben.»

Thomas Freuler

Präsident Schweizer Stahl- und Haustechnikverband / Spaeter AG
Vorstand Handel Schweiz

Das sagen unsere Mitglieder

„Handel-Schweiz ist aktiv und engagiert sich für den Erhalt und die Entwicklung von handelsfreundlichen Rahmenbedingungen. Denn nur ein freier Handel garantiert die Versorgungssicherheit der Schweiz und führt zu wirtschaftlichem Erfolg.“

Benjamin Stähelin

Geschäftsführer Tioman Trading SA

Das sagen unsere Mitglieder

„Handel Schweiz engagiert sich für praxisnahe Ausbildungen, um in der Berufsausbildung am Puls zu sein. Unsere Lernenden profitieren, dank einer soliden Grundlage, von tollen Karrierechancen für eine erfolgreiche berufliche Zukunft im Handelssektor.“

Karin Streit-Heizmann

Geschäftsführerin Heizmann AG

Das sagen unsere Mitglieder

„Gemeinsam mit andern für den Handel das Beste tun.“

Hans Christian von der Crone

Geschäftsführer Nimex AG / Vorstand Handel Schweiz